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Elitendistanz in Deutschland deutlich geringer als in Frankreich

Vier-Länder-Studie zu Demokratie und Populismus

Deutsche sind den politischen Eliten gegenüber positiver eingestellt als in Nachbarländern. Auch Globalisierung wird weniger kritisch gesehen. Allerdings wünschen sich in Deutschland vergleichsweise viele Wählerinnen und Wähler, dass ihre Volksvertreter den Willen des Volkes direkt befolgen. Eine Haltung, die in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden weniger verbreitet ist.

In einer aktuellen Mehr-Länder-Studie hat Kantar Public mit infratest dimap und Kantar Public-Partnerinstituten in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden das Verhältnis der Bevölkerung zu Populismus und Demokratie untersucht. Die Befragung in den vier Ländern widmete sich der Leistungsbeurteilung von Demokratie und politischen Eliten, den jeweils bestehenden Haltungen zur Globalisierung, Einwanderung und Flüchtlingen sowie Einstellungen gegenüber nationalen und supranationalen politischen Institutionen.

Zwei Resultate stechen besonders heraus. Zum einen fällt die Elitendistanz in den vier Ländern in Deutschland vergleichsweise am geringsten, im Nachbarland Frankreich dagegen mit Abstand am größten aus. Während in Deutschland 28 Prozent die Aussage eher oder voll und ganz unterstützen, die eigenen Eliten hätten seit mehr als 20 Jahren vollständig versagt, kommen in Frankreich mit 81 Prozent drei Mal so viele zu diesem Urteil. Das Ausmaß der Elitenkritik im Vereinigten Königreich (57 Prozent) und den Niederlanden (43 Prozent) liegt jeweils dazwischen. Zum anderen ist die Globalisierungsperspektive in keinem der vier Länder so positiv wie in der Exportnation Deutschland. Sieht in der Bundesrepublik mit 82 Prozent eine Mehrheit in der Globalisierung eher eine Chance für die Wirtschaft, ist es in Frankreich (55 Prozent), Großbritannien (50 Prozent) und den Niederlanden (49 Prozent) nur etwa jeweils die Hälfte.

Die Studie zeigt jedoch auch nachdenkliche Befunde für die Deutschen auf, insbesondere für ihr Demokratie- und Parlamentsverständnis. Obwohl in parlamentarischen Systemen eine Abgeordnetenbindung an den Wählerwillen nicht besteht, stimmen 54 Prozent der Bundesbürger der Aussage voll und ganz zu, dass die Bundestagsabgeordneten dem Willen des Volkes folgen müssten. Damit findet die Idee eines imperativen Mandats in Deutschland eine weit größere Unterstützung als in Frankreich (42 Prozent), Großbritannien (36 Prozent) und den Niederlanden (21 Prozent). Auch die Tatsache, dass in einem demokratischen Entscheidungsverfahren Kompromisse unumgänglich sind, wird von einem beachtlichen Teil der Deutschen zumindest indirekt in Frage gestellt. Für 42 Prozent der Bundesbürger geben Politiker, die Kompromisse eingehen, zugleich ihre Prinzipien auf. Während diese Haltung in den Niederlanden und Großbritannien ähnlich häufig zu finden ist (jeweils 45 Prozent), wird in Frankreich der politische Kompromiss vergleichsweise am häufigsten mit der Aufgabe von Prinzipien gleich gesetzt (57 Prozent).

Dazu Dr. Nico Siegel: „Insgesamt zeigt unsere Studie, dass die Demokratie als Regierungsform bei der überragenden Mehrheit der Menschen in allen vier Ländern mit sehr positiven Assoziationen verbunden wird. Gleichzeitig aber weisen eine Reihe von Ergebnissen auf eine bedenklich kritische Bewertung des tatsächlichen Funktionierens der Demokratie hin: die Bewertung der Eliten, von elementaren demokratischen Zutaten wie Kompromissbildung und eine negative Bilanzierung der Leistungen von Spitzenpolitikern bei der Bekämpfung von Armut, Ungleichheit und sozialer Ausgrenzung insgesamt.“

Die Befragung in den vier Ländern fand im Juni und damit nach den Präsidentschafts- und Nationalratswahlen in Frankreich, den Parlamentswahlen in Großbritannien und den Niederlanden sowie den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen statt. Insgesamt wurden zwischen 16. und 26. Juni insgesamt 4812 Wahlberechtigte befragt.

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